Gottvertrauen, Gebet, Buße und Umkehr tun not in Zeiten der Corona-Pandemie - Ein Kommentar zur Videobotschaft von Weihbischof Eleganti

In einem kath.net-Video-Blogbeitrag[1] hat der Weihbischof des Bistums Chur Marian Eleganti Stellung zur „Kirche & Corona“ genommen. Sein Video trägt den Titel: „Kirche & Corona - Wie können wir hier nur vor der übernatürlichen Wirklichkeit kapitulieren?“[2] Es ist am 10.03.2020 auf Youtube veröffentlicht worden (am Ende meines Beitrags habe ich es eingefügt). Heute am 18.03.2020 kann man auf kath.net zu Weihbischof Eleganti folgendes lesen:

„Bürcher [Apostolischer Administrator des Bistums Chur] hat auch angekündigt, dass sich Weihbischof Marian Eleganti nur noch im Einvernehmen mit ihm und dem Bischöflich Beauftragten für Medien und Kommunikation in den Medien äusseren darf. ‚Er hat diese Entscheidung angenommen.‘; heißt es dazu. Anlass […] dazu [war] ein Videobetrag auf kath.net“.[3]

Im nachfolgenden Beitrag möchte ich den vollständig transkribierten und leicht verbesserten Text zum geistlichen allgemeinen Nutzen kommentieren.

Weihbischof Eleganti sagt in seinem Video-Blogbeitrag:

„Liebe Gläubige, die Pandemie, die aktuell ein immer größeres Ausmaß erreicht, beschäftigt uns alle. Sie fordert unsere Glaubenshaltung heraus, wie ich meine. Wenn wir ins Alte Testament schauen, in die Heilige Schrift, dann sehen wir eigentlich immer einen Zusammenhang zwischen der spirituellen Befindlichkeit und Treue des Volkes Israels und den historischen Ereignissen, die es durchmacht. Angriffe durch Feinde, auch damals Seuchen und Krankheiten… Das stellt uns vor eine Frage: Die einen sagen, man darf jetzt nicht einer Art Supernaturalismus huldigen und Wunder erwarten, ohne die menschlichen vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, aber genau da liegt ein Knackpunkt, denn das Vertrauen auf Gott, das ist existenziell, das wird konkret, das betrifft mein konkretes Leben. Gott hat einen Einfluss auf die Dinge, die mich treffen. Wenn Jesus sagt, es wird mir kein Haar gekrümmt, ohne den Willen des Vaters, also die Zulassung Gottes, dann hat doch alles mit Gott zu tun. In meinem persönlichen Leben und Schicksal, wie auch das Schicksal der Menschheit.“

Der dreifaltige Gott ist die unendliche Liebe, er möchte nicht den Tod des Sünders sondern, dass der Sünder umkehrt und so den Weg zurück ins Leben, ins wahre Leben findet. Dasselbe gilt auch für jede Gemeinschaft, die kleine, wie die große. Da Gott uns über alles liebt, möchte er für uns das Beste. Was aber ist für uns, die Familie, unsere Gesellschaft, die Weltgemeinschaft das Beste?

Jeder Mensch und damit auch die menschliche Gesellschaft als Ganzes ist zu einer Antwort auf Gottes unendliche Liebe berufen. Wie fällt diese bei mir aus? Welche Rolle spielt heute für uns, unsere Familie, unsere Stadt und unser Land die Gottesliebe? Leiden wir, unsere Familien und unsere Gesellschaft nicht an einer Gottvergessenheit, ist Gott für uns nicht, mit Nietzsche gesprochen, tot? Was aber ist dann in unserem Leben, im Leben unserer Familien und unser Gesellschaft an die Stelle Gottes getreten? Ist es der Egoismus, die Selbstsucht, die Karriere, die Gesundheit, der Erfolg, das Geld etc? Wenn auf unserem Herzensthron, der eigentlich für Gott vorbehalten sein sollte, ein Götze sitzt, wie soll sich dann Gott bei uns noch Gehör verschaffen? Wir wollen Ihn doch nicht hören… Sünde ist ein Zurück- und Abweisen der Liebe Gottes; letztendlich ein Aufbegehren gegen Gott.

Gott ist nicht nur die unendliche Liebe, sondern auch die unendliche Gerechtigkeit. Obschon Sünde, außer der Erbsünde, immer eine persönliche Übertretung und Verfehlung ist und eine persönliche Schuld begründet, ist die allgemeine gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz von Sünde schlimmer vor Gott, als schwere Sünden, die aufgrund eines funktionierenden Gewissens und Sündenbewusstsein, wie dies z.B. der König David besaß, bereut und gesühnt werden.

Weihbischof Eleganti führt weiter aus:

„Wenn ich an die Bücher der Könige denke, wie oft habe da die Propheten den Königen vorgeworfen, dass sie mehr auf die Vernünftigen, auf die eigenen Mittel gebaut haben, ohne sich wirklich in Gott fallen zu lassen, an Gott zu glauben, an Gottes Allmacht und Wirken und Eingreifen zu glauben. Und auch vor Schlachten und König David nach der Volkszählung, die der Prophet ihm als eine schwere Sünde vorwirft. Er sieht auch den Engel, der symbolisch für die Sühne, für die Strafe Gottes steht.“

In 1.Chronik 21,15-17 heißt es gemäß der Einheitsübersetzung:

„Gott sandte einen Engel nach Jerusalem, um es ins Verderben zu stürzen. Doch als er mit der Vernichtung begann, sah es der HERR, und das Unheil reute ihn. Er sagte zu dem Engel des Verderbens: Es ist jetzt genug, lass deine Hand sinken! […] 16 Als David aufblickte, sah er den Engel des HERRN zwischen Erde und Himmel stehen. Er hielt das gezückte Schwert in der Hand gegen Jerusalem gerichtet. Da fielen David und die Ältesten, die in Trauergewänder gehüllt waren, auf ihr Angesicht nieder 17 und David rief zu Gott: Habe nicht ich befohlen, das Volk zu zählen? Ich bin es doch, der gesündigt und Böses getan hat. Aber diese, die Herde, was haben denn sie getan? HERR, mein Gott, erheb deine Hand zum Schlag gegen mich und gegen das Haus meines Vaters, nicht aber gegen dein Volk!“

Haben auch wir ein Sündenbewusstsein - mahnt uns noch unser Gewissen, oder haben wir es zum Schweigen gebracht? Zeigen wir angesichts des Schreckens, des Unheils und Verderbens, das uns allen droht Einsicht und Reue über unsere Sünden oder wissen wir nichts von unseren Sünden? Begehren wir gar gegen die auf, die von Sünden als Übertretungen der Gebote Gottes sprechen?
Gott ist die unendliche Gerechtigkeit, wenn wir nicht von unseren Sünden umkehren, Buße tun, beten und unsere Sünden bereuen, was dürfen wir dann von Gott erwarten? Gott ist doch der Weltenrichter - der Richter über Lebende und Tote, wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen.

Und der Weihbischof fährt fort:

„Wenn wir die Botschaften von Fatima anschauen, die von der Kirche anerkannt sind, sehen wir auch einen Zusammenhang zwischen Gebet, Hingabe an Gott, Glaube, Sühne und der richtigen Einstellung der Kirche, Gott gegenüber, der Menschheit, der Völker gegenüber und den Plagen und Schicksalen, die die Völker treffen, Kriege und Krankheiten und anderes mehr.
Und was aus alldem hervorgeht, aus dieser heilsgeschichtlichen Betrachtung ist doch das eine, dass unsere Demut vor Gott, unser Vertrauen auf Gott, unsere Liebe zu Gott, unsere Gebete, unsere Buße, unsere Umkehr, dass das alles sich auswirkt auf die Befindlichkeit der ganzen Menschheit, der Nationen, unseres Volkes und auch auf uns selbst, auf unsere Biografie, auf unsere Familie.“

In der Einführung zum Kreuzweg am Kolosseum, der am 14. April 2006 mit Papst Benedikt XVI. gebetet wurde schreibt Kardinal Angelo Comastri:

„Die zerstörerische Macht der Sünde: Unermüdlich wiederholt die Bibel, daß das Schlechte schlecht ist, weil es schadet ; die Sünde ist nämlich selbstbestrafend, denn sie enthält die Strafe bereits in sich. Dazu einige erhellende Texte des Propheten Jeremia: „ Sie liefen dem Nichtigen nach und wurden so selber zunichte “(vgl. Jer 2, 5); „ Dein böses Tun straft dich, deine Abtrünnigkeit klagt dich an. So erkenne doch und sieh ein, wie schlimm und bitter es ist, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen und keine Furcht vor mir zu haben “ ( Jer 2, 19); „ Eure Frevel haben die Ordnung gestört, eure Sünden haben euch den Regen vorenthalten “( Jer 5, 25).

Und Jesaja bleibt nicht dahinter zurück: „ Darum – so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dieses Wort mißachtet, weil ihr auf Ränke vertraut und euch auf das Falsche verlaßt, darum wird eure Schuld für euch sein wie ein herabfallendes Bruchstück von einer hoch aufragenden Mauer, die dann plötzlich, urplötzlich einstürzt. Sie zerbricht wie der Krug eines Töpfers, den man ohne Erbarmen zerschlägt, so daß sich unter all den Stücken keine Scherbe mehr findet, mit der man Feuer vom Herd holen kann oder Wasser schöpfen aus der Zisterne “ ( Jes 30, 12-14). Und indem er den aufrichtigeren Gefühlen des Gottesvolkes seine Stimme verleiht, ruft der Prophet aus: „ Wie Unreines sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind “ ( Jes 64, 5).

Doch zugleich prangern die Propheten die Verhärtung des Herzens an, die eine schreckliche Blindheit verursacht und die Schwere der Sünde nicht mehr empfinden läßt. Hören wir Jeremia: „ Sie sind doch alle, vom Kleinsten bis zum Größten, nur auf Gewinn aus; vom Propheten bis zum Priester betrügen sie alle. Den Schaden meines Volkes möchten sie leichthin heilen, indem sie rufen: Heil, Heil! Aber kein Heil ist da. Schämen müßten sie sich, weil sie Greuel verüben. Doch sie schämen sich nicht; Scham ist ihnen unbekannt “ ( Jer 6, 13-15).“[4]

Diese Zeilen beschreiben sehr genau unsere Situation. Mit uns und unserer Gesellschaft ist es nicht besser bestellt, als es damals schon die Propheten beschrieben haben…
Wir sind mit Blindheit geschlagen und wundern uns, dass es nicht immer so weiter gehen kann wie bisher. Unser Blindheit geht soweit, dass wir diejenigen mundtot zu machen versuchen, die uns warnen wollen und uns auf diese ewig gültigen Sachverhalte aufmerksam machen wollen. Zu diesen modernen Propheten gehört auch Weihbischof Marian Eleganti…

Weihbischof Marian Eleganti führt weiter aus:

Es gibt da ganz klar einen Zusammenhang, den wir nicht übersehen dürfen, weshalb auch ganz grosse Heilige in solchen Situationen zu Gebet, Buße, Umkehr aufgerufen haben und zum Vertrauen auf Gott, auf Gottes Eingreifen, auf Gottes Hilfe und auf Gottes Schutz. Ich erinnere an Gregor den Großen, an Karl Borromäus, das sind leuchtende Beispiele, die über jeden Zweifel erhaben sind. Sie haben Bittprozessionen organisiert und sie haben sich auch zu gemeinsamen Gebeten zusammengeschlossen und und ich denke auch, dass sie von Gott erhört worden sind.

Ich habe habe einfach ein ganz grundsätzliches Problem: Wir segnen das Wasser. Die Priester, die Bischöfe heiligen die Elemente und bitten das diese gesegnete und geheiligten Elemente uns Heil bringen und Segen und nicht Unheil. Wie können wir dann sozusagen kapitulieren vor dieser übernatürlichen Wirklichkeit und die Weihwasserbecken bleiben leer. Von den Bädern in Lourdes wurde noch nie überliefert, dass man sich in diesen Bädern, wo tausende von Menschen, darunter auch viele Kranke, sich gebadet haben, dass irgendjemand sich da angesteckt hat. Da ja die Mutter Gottes selber in diesem Wasser Heil und Trost für die Kranken versprochen hat: Wie können wir da jetzt im Glauben kapitulieren und diese Bäder schließen? Mir geht das irgendwie nicht ins Herz.“

Wenn wir keinen Glauben und kein Gottvertrauen mehr haben, können wir auch unsere jetzige Situation nicht richtig beurteilen. Sünde macht eben blind! Das gilt im Kleinen, wie im Großen. Wir vertrauen auf uns selbst, unsere eigene Kraft, unsere moderne Technik und Wissenschaft - wir versuchen die Symptome zu behandeln, verstehen jedoch die metaphysischen Ursachen im Gesamtkosmosgeschehen nicht.

Da wir keinen Glauben mehr haben, sind wir vor der Welt in Zeiten der Not und Bedrängnis gezwungen, Farbe zu bekennen, auf Gott zu vertrauen und unseren Glauben zu leben. Doch wir verleugnen angesichts der Gefahr lieber den Glauben unserer Väter, anstatt gerade in der Not zu Gott dem Allmächtigen Zuflucht zu nehmen. Wer kann uns wirklich helfen, wenn nicht unser uns liebender dreifaltiger Gott?

Wir wissen nichts mehr von der übernatürlichen Realität und rechnen auch nicht mehr mit ihr. Wir lassen Gott im Stich und er überlässt uns einfach uns selbst. Somit haben wir es auch gar nicht mehr nötig in Zeiten der Not und Bedrängnis Gott durch öffentliche heiligen Messen und öffentliche Bittprozessionen und Fasten, Gebete, Opfer und Sühne um Beistand und Hilfe anzuflehen.
Nein wir wissen genau, wie wir uns selbst aus dem Sumpf herausziehen können… deshalb verbieten wir zu erst die Mundkommunion und sagen dann alle öffentliche heiligen Messen ab.
Gottesfinsternis in der Kirche und an Ostern!? „Glaubt ihr nicht, dann bleibt ihr nicht“ sagt uns auch heute der Prophet aus der Heiligen Schrift. Wir lassen in einer Situation, in der die Schafe die Fürsorge der Hirten am meisten gebraucht hätten, die Herde im Stich…

Und der Weihbischof fährt fort:

„Vom Leib Jesu, vom Leib Christi wissen wir aus den Evangelien, dass die Kranken sich zu ihm drängten und ihn berühren wollten. Wenn auch nur den Saum seines Gewandes, aber sie wollten seinen Leib berühren, weil von seinem Leib eine Kraft ausging, die alle heilte. Und jetzt stehe ich als gläubiger Mensch, als Bischof vor dem Sakrament der heiligen Eucharistie, vor dem Leib Christi, und ich glaube an diese übernatürliche Kraft der Gegenwart in der heiligen Hostie, die der Leib Christi ist. Wie kann ich mir jetzt vom Kommunionempfang Unheil, Kontamination und Ansteckung erwarten? Ich kann das einfach für mich persönlich in meinem Herzen nicht nachvollziehen, man kann mir jetzt natürlich sehr leicht vorwerfen, ich sei unverantwortlich und ein Supernaturalist, der Wunder erwartet.
Ja ich erwarte Wunder, ich rechne mit der Kraft und mit dem Schutz Gott ich vertraue auf die Gegenwart Gottes und ich denke auch, jeder Gläubige muss von seinem Herzen und von seiner inneren Gottesbeziehung her frei sein, wie er, in welcher Haltung er, die heilige Kommunion empfangen möchte. Da dürfen wir ihm auch nicht Dinge auferlegen, die gegen sein Innerstes, sein Gewissen und Empfinden gehen. Also ich möchte uns alle auffordern, darüber nachzudenken. Wir gehen auf des Messers Schneide , es ist immer so, wie der Prophet sagt, glaubst du, so bleibst du, glaubst du nicht, so gehst du unter. Ich denke, wir sollten an Gott glauben und ihm vertrauen und zu ihm beten, dass wir geläutet, aus diesen Ereignissen hervorgingen und mit einem starken Glauben.“

Nehmen wir uns die Worte von Weihbischof Marian Eleganti zu Herzen und fangen wir an, wirklich auf Gott zu vertrauen, zu beten, Buße zu tun und umzukehren, es ist höchste Zeit…

Endnoten

[1] http://www.kathtube.com/player.php?id=49574

[2] https://m.youtube.com/watch?v=VpojupcS-2U

[3] http://kath.net/news/71026

[4] http://www.vatican.va/news_services/liturgy/2006/documents/ns_lit_doc_20060414_via-crucis-present_ge.html

Die Eucharistie, der größte Schatz der Kirche, in Zeiten der Drangsal von S. Ex. Bischof Athanasius Schneider


Ein Nachtrag zum Video-Blogbeitrag von Weihbischof Eleganti:
Martin Bürger, weist auf lifesitenews.com darauf hin, dass Weihbischof Eleganti sich in einem Punkt in seinem Video-Blogbeitrag irrt:

„Der heilige Thomas von Aquin wies bei der Behandlung einer ähnlichen Frage in der Summa Theologica darauf hin, dass durch die Transsubstantiation zwar die Substanz von Brot und Wein in den Körper und das Blut Jesu verwandelt wird, die akzidentellen Eigenschaften aber erhalten bleiben und daher dem Individuum schaden können, wenn sie beispielsweise durch Gift kontaminiert sind.
Er schrieb in IIIa Q83 a.6, ad3 der Summa: ‚Wenn entdeckt wird, dass der Wein vergiftet wurde, sollte der Priester ihn weder empfangen noch anderen auf irgendeine Weise verabreichen, damit der lebensspendende Kelch nicht zu einem Kelch des Todes wird.‘
In ähnlicher Weise sorgen die Priester im Allgemeinen dafür, dass die geweihten Hostien innerhalb einer bestimmten Zeitspanne verzehrt werden, um die Gefahr zu vermeiden, dass sie ranzig werden oder verrotten.“





Corona-Krise: Offener Brief an die Bundeskanzlerin von Prof. Sucharit Bhakdi

Hier sind ist ein weitere Beispiele, wie ein mutiger Priester mit derselben Problematik umgehen:

In diesem Artikel geht Weihbischof Athanasius Schneider auch auf die angesprochene Thematik ein:

Manfred Hauke schreibt seinem aktuellen Artikel „Die Corona-Pandemie und Frage nach Gott“:

"Wer also grundsätzlich betont, wie anscheinend die deutschen Bischöfe Bätzing und Wilmer, dass „Gott nicht straft“, wendet sich gegen das offenkundige Zeugnis des Wortes Gottes, verkündet ein falsches Gottesbild und nimmt die Wirklichkeit der Sünde nicht ernst. Wer die Sünde leugnet, lehnt auch Christus ab, dessen Heilswerk darin besteht, uns vor unseren Sünden zu erlösen und uns das ewige Heil zu schenken. „Gott straft nicht“: wer diese Behauptung zu Ende denkt, hat sich vom christlichen Glauben verabschiedet und ist zum Gnostiker geworden, der eine eigengestrickt Ideologie verkündet.

[… Es] muss freilich gefragt werden, wie solche ungeheuerlichen theologischen Fehlleistungen, wie sie sich die erwähnten Bischöfe Bätzing und Wilmer geleistet haben, überhaupt möglich sind. Um dergleichen Irrtümer zu entlarven, braucht es kein Abitur und kein theologisches Studium. Da reicht schon eine rudimentäre Kenntnisse der Heiligen Schrift, wie wir sie schon Kommunionkindern zutrauen können, und ein Blick in den „Katechismus der katholischen Kirche“, um ein solches bischöfliches „Virus“ als solches zu entlarven, das schlimmer ist als das COVID-19. Die Leugnung theologischer Grunddaten ist freilich erklärbar durch eine ideologische Verblendung, die verschiedene Wurzeln haben kann. […]

Der martyrologische Sinn des Leidens zeigt sich in allen, die wegen ihres Bekenntnisses zu Christus und zur Kirche während der gegenwärtigen Pandemie Nachteile erlitten haben. Dazu gehören auch alle, die angesichts einer gleichgültigen Öffentlichkeit, mitunter sogar innerhalb der Kirche, die Bedeutung der öffentlich zugänglichen Liturgie und vor allem des hl. Messopfers betonen. Die Sorge für die Gesundheit ist wichtig, aber noch höher steht die Bedeutung des ewigen Heiles."

Manfred Hauke „Die Corona-Pandemie und Frage nach Gott“ Theologisches 50.5/6 (2020): 219-223.

In dem Artikel „Coronakrise 2020: Darf die Kirche auf ihre Grundrecht der Religionsfreiheit verzichten?“ schreibt Heinz-Lothar Barth:

„Kommen wir auf das Verhalten der kirchlichen Hierarchie während der Coronaepidemie noch näher zu sprechen. Sie hätten sich niemals einen solchen Eingriff in den göttlichen Kult bieten lassen dürfen: Beachtung gewisse Abstandsregeln, kein Weihwasser, Gebrauch von Desinfektionsmittel, über all so etwas kann man reden. Derartige Vorsichtsmaßnahmen billigte auch der heilige Bischof von Mailand Karl Borromäus während der Pest in den Jahren 1576 f. und förderte sie sogar. Aber zugleich setzte er sich als guter Hirte mit seinen Priestern in heroischer Weise pastoral für seine Schafe ein, obgleich die Bedrohung für Leib und Leben damals unverhältnismäßig größer war. So wurden auf den Straßen und Plätzen auch heilige Messen gelesen, damit möglichst viele Menschen am heiligen Opfer, wenn auch aus gewisser Entfernung, teilnehmen konnten, Bußprozessionen fanden unter großer Anteilnahme von Klerus und Volk statt.
Für die Gläubigen Wochen, ja Monate lang (in Großbritannien sogar bis zum Juli 2020), die hl. Messe zu verbieten, wie es jetzt die Kirchenfürsten duldeten, ja oft aktiv mittrugen, während alle möglichen anderen Begegnungen wieder möglich waren, wäre damals und in der gesamten Kirchengeschichte unmöglich gewesen! Dagegen hätte man sich bei uns wehren müssen. Die Bischöfe haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hingegen jämmerlich versagt. Das darf und muss man in aller Klarheit sagen. Auch von den traditionellen Gemeinschaften hätten viele Gläubiger mehr Mut und ein Engagement erwartet, obwohl sie es natürlich ohne Hilfe durch die Oberhirten schwer hatten und zugegebenermaßen mit ihren geringen Kräften sich von eine ganz neue ungewohnte Situation gestellt sahen, auf die kurzfristig zu reagieren war.“

Quelle: Heinz-Lothar Barth „Coronakrise 2020: Darf die Kirche auf ihre Grundrecht der Religionsfreiheit verzichten?“ Theologisches 50, 07/08 2020: 328. (Hervorhebungen R.B.)

In seinem Artikel Gehorchen, sich fügen oder opponieren?“ schreibt J. Stöhr:

„Wie sieht es nun konkret aus in Bezug auf die derzeit staatlichen Einschränkungen der Gottesdienste? Der Staat hat keinerlei Recht, Gottesdienste zu untersagen und mit einem einseitigen gesundheitspolitischen Imperativ bürgerliches Leben in Freiheit zu zerstören (wie z.B. in Frankreich). Auch kein Bischof hat das Recht, die Hl. Messe einfach zu verbieten ( Ludwig Gerhard Kardinal Müller ). Die Ungleichbehandlung von Gottesdiensten gegenüber Supermärkten, Bauhilfen usw. war offensichtlich ein grobes Unrecht. Der Staat kann zwar mit Recht die Beachtung hinreichend begründet der hygienische Vorsichtsmaßnahmen verlangen, aber nicht grundsätzlich Gottesdienste sperren oder überzogene Sonderforderungen an die Gläubigen stellen. Einzelne Anordnung, die offensichtlich nur aus bloßer Regulierung sucht oder falsche Ängstlichkeit getroffen werden, haben keine Gültigkeit. Viele fühlen sich heutzutage ungerecht bevormundet und in ihren bürgerlichen Grundrechten beeinträchtigt. Die Zunahme von familiären Stress, häuslicher Gewalt, Vereinsamung und Depression erfordert geistliche Ermutigung und die Eucharistie als Heilmittel, remedium mentis et corporis, pharmakeia , Angeld der Unsterblichkeit, Teilhabe an der Opferhingabe Christi. Die Verhältnismäßigkeit der Einschränkung ist offensichtlich in den letzten Monaten bei weitem nicht gewahrt worden. Widersinnig ist es, wenn Lebensmittel auf den Märkten öffentlich verkauft werden, aber die Kommunionspenung untersagt bleibt. Die Verantwortung des Bischofs bezieht sich besonders auf die Feier der hl. Eucharistie. Sie kann nicht ersetzt werden durch Wortgottesdienste (wie jüngst in Würzburg) oder ferngesteuerter Bilderfolgen. Es mussten von den Bischöfen auf jeden Fall immer private gottesdienstlichen Veranstaltung mit mehreren Teilnehmern gefördert werden, in erster Linie die Heilige Messe, die den Mittelpunkt kirchlichen Lebens bedeutet. Wenn ein erforderliche Hygiene-Abstand weniger Teilnehmer zulässt, müssen eben mehr hl. Messen gefeiert werden. Vermutete Risiken bei der Art und Weise des Kommunionempfangs können mündige Christen durchaus selbst einschätzen; dazu braucht es an sich keine (diskriminierenden) Regelungen. Die Corona-Krise dient ja auch nicht selten als Vorwand, um eigene ideologische Vorstellungen durchzusetzen. Dazu gehört auch das pauschale Verbot der Mundkommunion in Deutschland, die von der US-amerikanischen Bischofskonferenz ausdrücklich gestattet worden ist. Eine entsprechende pauschale Anordnung ist ungültig; gehorchen kann man nicht, sondern allenfalls sich fügen. Doch ein so schwerwiegender Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte und ein legitimes individuelles Frömmigkeitsverständnis sollte nicht hingenommen, sondern das Recht auf persönliche verantwortete Gewissensentscheidung eingefordert werden. Befohlen Abstandsregeln sind meist noch hinnehmbar – man sollte sie aber nicht übertreiben und schon gar nicht mit einer Wasserpistole durchzusetzen versuchen. Für Trauungen hat es gerade zu lächerliche Folgen der Regulierung sucht gegeben (Abstand zwischen Braut und Bräutigam bei der Trauungszeremonie). Die Verpflichtung und der Nutzen des Tragens von Schutzmasten ist auch bei Fachleuten umstritten. Problematisch ist auch das Gesangsverbot in Gottesdiensten mit ganz wenigen und weit voneinander entfernt den Teilnehmern – während gemeinsame Gebete stattfinden. Absurd erscheint: in einem viel besuchten Fahrstuhl (Aufzug) seien Viren nicht zu befürchten, wohl aber angeblich in jedem Beichtstuhl trotz dessen abgedeckten und vergitterten Fensterchen. Die Einschätzung der Ansteckungsgefahr kann dem persönlichen Gewissen und einer sinnvollen Güterabwägung überlassen bleiben; zahlreiche (und einander nicht selten widersprechende) Informationen von den verschiedensten Experten sind allgemein zugänglich. Wenn einem Priester befohlen wird, am Sonntag Wort Gottesdienste statt heilige Messen zu feiern, dann sollte er direkt das Gegenteil tun – denn ein solcher Befehl ist zweifellos ungültig und schädlich. Sollten Unterdrückungsmaßnahmen oder Disziplinarstrafen zu befürchten sein, dann kann man schließlich handeln wie die Christen des Altertums: in den Untergrund gehen und alle privaten Möglichkeiten ausnützen.“

Quelle: Johannes Stöhr Gehorchen, sich fügen oder opponieren?“ Theologisches 50, 07/08 2020: 364-366.